Status und Roadmap SAP Business ByDesign

Im Rahmen des DSAG Jahreskongresses in Leipzig haben Dr. Michael Schmitt und Rainer Zinow die aktuelle Roadmap für SAP Business ByDesign und weitere interessante Informationen präsentiert. Im Fokus der Lösungen bleiben Projektdienstleister mit ca. 50-500 Mitarbeitern sowie Tochtergesellschaften von Konzernen mit SAP-Strategie.

Status

Allen, die auf hämische Gedanken kommen („Was? Eine Roadmap für SAP Business ByDesign? Ich dachte, die Lösung wird nicht mehr weiterentwickelt?!?“) sei nochmals erklärt: Die SAP entwickelt SAP Business ByDesign entgegen aller anderslautenden Gerüchte tatsächlich aktiv weiter. SAP hat lediglich angekündigt, dass sich die eigenen Entwicklungsressourcen nicht um neue Industrien kümmern werden. Statt dessen will SAP die Funktionalitäten für Projektdienstleister abrunden und gleichzeitig weitere Partner rekrutieren, die Branchenlösungen auf Basis von SAP Business ByDesign entwickeln. Hierzu gibt es ein Software Development Kit (SDK), welches auf Microsoft Visual Studio aufsetzt (und ohne ABAP auskommt).

Einer der großen Unterschiede zur „traditionellen“ SAP Business Suite ist jedoch gerade, dass Key-User in den Anwenderunternehmen viel mehr Anpassungen (z.B. Anlage neuer Felder, Formulargestaltung, Workflows)  selbst vornehmen können, ohne SAP-Berater und ohne Programmierkenntnisse.

Seit Frühjahr 2014 erhalten alle Neukunden eine komplett auf SAP HANA als Datenbank umgestellte Lösung (Bestandskunden werden nach und nach auf SAP HANA migriert). SAP liefert SAP BusinessByDesign mittlerweile lokalisiert in 19 Ländern aus (die laut SAP 90% des weltweiten Bruttosozialprodukts abdecken). Zu den prominentesten Ländern, die derzeit auf der Liste fehlen, zählen Brasilien und Russland. Weitere Länder sind durch Partner bzw. Kunden in Eigenregie lokalisiert worden.

Roadmap

SAP bezieht die Anregungen für neue Funktionalitäten primär aus zwei Quellen

  • SAP Idea Place – eine Plattform, auf der Kunden und Partner Vorschläge einreichen und darüber abstimmen können
  • Anregungen von Bestandskunden in den benannten Zielgruppen. Diese werden jedoch nur dann in der Entwicklung berücksichtigt, wenn sie potentiell für viele Kunden in der Zielgruppe relevant sind. Kundenspezifische Entwicklungen durch SAP soll es – auch für „große“ Kunden – nicht mehr geben. („Wir werden nicht jede Unternehmensanforderung in den Core aufnahmen. Sonst haben wir am Ende aufwendige, komplexe Suite.“).

Ein klassisches „Produktmanagement“, fügt Rainer Zinow mit einem Augenzwinkern hinzu, werde fast gar nicht mehr benötigt.

Zu den Schwerpunktthemen für die kommenden Monate zählen

  • Weiterentwicklung Software Development Kit / Public Solution Model. Wie oben bereits erwähnt ermöglicht dies Partnern, eigene AddOns oder Branchenlösungen zu entwickeln – und fehlende kundenspezifische Anforderungen zu realisieren, die SAP nicht priorisiert (z.B. Integrationsszenarien mit externen Anwendungen)
  • Neue mobile Anwendungen. Bereits heute werden laut SAP übrigens 60% der Transaktionen der SAP BusinessByDesign-Kunden über mobile Geräte erfasst (zumeist Zeitrückmeldungen und Spesenabrechnungen).
  • Ausbau der Integrationsszenarien zwischen SAP Business ByDesign und der SAP Business Suite (für die Zielgruppe „Tochterunternehmen“ relevant)

Perspektivisch erwartet SAP, dass die Themen „Logistik in der Cloud“ und „Manufacturing Execution in der Cloud“ an Bedeutung gewinnen – wie oben erläutert erwarte ich in diesen Bereichen jedoch kurzfristig keine wesentlichen sichtbaren Neuerungen.

Die schon länger angekündigte Neuentwicklung der Benutzeroberfläche auf Basis von HTML5 wird kommen im Zuge der SAP-weiten Harmonisierung aller Benutzerschnittstellen (Stichwort SAP Fiori).

Einschätzung

Die Bemühungen der SAP rund um SAP Business ByDesign wirken auf mich glaubwürdig und ernsthaft. Auch die erst kürzlich erfolgte Ernennung von Dr. Michael Schmitt zum „General Manager SAP Business ByDesign“ untermauert diesen Eindruck ich bin mir sicher, er hätte keine Stelle als Totengräber angenommen. Gleichzeitig wächst am Markt (allen NSA-Skandalen zum Trotz) die Bereitschaft, auch Kernprozesse wie die eigene Finanzbuchhaltung in die Cloud auszulagern. Zudem hat die Lösung für Projektdienstleister mittlerweile einen funktional sehr ordentlichen Leistungsumfang erreicht – ich hoffe, dass SAP sich dazu durchringt, die Existenz dieser Perle im Portfolio aktiver im Marketing zu platzieren.

Advertisements